Nachhaltigkeit

Die folgenden Definitionen beschreiben unser Verständnis von 'Nachhaltiger Entwicklung' und 'Nachhaltigem Design'. Die Arbeit des Vereins basiert auf diesen Definitionen und der Verein strebt eine Umsetzung der beschriebenen Vorstellungen an.

Die Definitionen stehen auch als PDF-Dokument zum Herunterladen zur Verfügung.

 

1. Nachhaltige Entwicklung

Die nachhaltige Entwicklung leitet sich vom Leitbild Nachhaltigkeit und wurde durch die Brundtland-Kommission als eine Entwicklung definiert, „die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“ Die ökologischen, sozialen und ökonomischen Auswirkungen der menschlichen Aktivitäten und die Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen den drei Dimensionen Ökologie, Soziales und Ökonomie stehen im Zentrum einer nachhaltigen Entwicklung. Es existieren absolute ökologische Grenzen, die durch die Tragfähigkeit des Planeten Erde und seiner Ökosysteme definiert sind. Die Verfügbarkeit der nicht-erneuerbaren Ressourcen ist endlich und die Aufnahmekapazität der Erde für Schadstoffe ist begrenzt. Die Nutzung der erneuerbaren Ressourcen ist durch eine für das Ökosystem verträgliche Nachwuchsrate beschränkt. Das bestehende Naturkapital kann nicht durch vom Menschen geschaffene Produkte substituiert werden.

1.1 Verteilungsgerechtigkeit
Die heutige und die zukünftigen Generationen haben die gleichen Rechte an den Ressourcen und Kapazitäten der Erde. Darüber hinaus haben alle Menschen der heutigen Generation die gleichen Rechte an den Ressourcen und Kapazitäten der Erde. Nachhaltigkeit bedeutet damit auch die Umsetzung von Intergenerationen- und Intragenerationengerechtigkeit.

1.2 Hierarchie der drei Nachhaltigkeitsdimensionen
Die ökologischen, sozialen und ökonomischen Anforderungen stehen nicht gleichberechtigt nebeneinander sondern werden im Fall von Konkurrenzsituationen und Konflikten zwischen den einzelnen Dimensionen unterschiedlich priorisiert. Die Erhaltung des globalen und der regionalen und lokalen Ökosysteme genießt die absolute Priorität, soziale und ökonomische Aspekte müssen sich den ökologischen Anforderungen unterordnen. Die sozialen Anforderungen müssen sich innerhalb der ökologischen Grenzen bewegen, aber sie besitzen eine höhere Wertigkeit als die ökonomischen Aspekte.

1.3 Nachhaltiges Wirtschaftssystem
Das weltweit vorherrschende kapitalistisch-marktwirtschaftliche Wirtschaftssystem ist in seiner heutigen Ausprägung nicht nachhaltig. Der systemimmanente Wachstumszwang und die damit einhergehende Konsumgesellschaft sind weder ökologisch noch sozial nachhaltig. Die nachhaltige Entwicklung erfordert die Transformation des wachstumsgetriebenen Wirtschaftssystems und der Konsumgesellschaft in eine wachstumsneutrale Wirtschaft und eine Post-Konsumgesellschaft. Eine nachhaltige Wirtschaft orientiert sich am Vorsorgeprinzip und beschränkt sich darauf den Menschen nachhaltige Dienstleistungen und Produkte zur Befriedigung ihrer intrinsischenBedürfnisse anzubieten. Sie verzichtet auf des Schaffen neuer künstlicher Bedürfnisse zur Nachfragegenerierung und die permanente Steigerung der Arbeitsproduktivität und nutzt die absolute Entkoppelung des Ressourcen- und Energieverbrauchs von der wirtschaftlichen Leistung d.h. der Verbrauch an Ressourcen und Energie in absoluten Zahlen und nicht bezogen auf eine Einheit eines Produkts/einer Dienstleistung. Die Finanzwirtschaft beschränkt sich auf die Bereitstellung von Finanzmitteln für die Realwirtschaft im Rahmen eines zinsfreien Finanzsystems.
Wirtschaftssysteme basieren nicht auf Naturgesetzen und können vom Menschen ersetzt werden.Die Industrienationen sind in der Pflicht den Schwellen- und Entwicklungsländern den Raum für ein nachhaltiges Wachstum bis zum ökologisch verträglichen Entwicklungsstand zu ermöglichen. Die Entkoppelung erfolgt durch Dematerialisierung sowie Maßnahmen zur Steigerung von Öko-Effektivität und Öko-Effizienz. Die zu erwartenden Rebound-Effekte werden antizipiert und kompensiert.

1.4 Nachhaltigkeitsstrategien
Die Gestaltung der nachhaltigen Entwicklung erfolgt mittels der Nachhaltigkeitsstrategien der Suffizienz, der Konsistenz (Öko-Effektivität) und der Effizienz. Eine transdisziplinäre / interdisziplinäre Herangehensweise ist essentiell, um die Nachhaltigkeitsstrategien erfolgreich umzusetzen. Die Reduktion der angestrebten Ziele durch Rebound-Effekte ist bei allen drei Strategien zu beachten. Bei der Suffizienzstrategie stehen Maßnahmen zur Verringerung des Konsum und zur Veränderung von Verhaltensweisen sowie zur Dematerialisierung im Vordergrund. Die Konsistenzstrategie setzt Nachhaltigkeit durch die Gestaltung von Produkten um,deren Ressourcenverbrauch und ökologische Auswirkungen entlang des Lebenszyklus innerhalb der Kapazitäten der Ökosysteme bleibt. Die Effizienzstrategie minimiert die zur Bereitstellung, Nutzung und Wiederverwendung von Produkten erforderlichen natürlichen Ressource und die dabei entstehenden Emissionen in Bezug zum erreichten Nutzen.

 

2. Nachhaltiges Design

Für uns bedeutet Nachhaltiges Design die Befriedigung von menschlichen Bedürfnissen durch Produkte, Dienstleistungen und eine Infrastruktur, die ökologisch tragfähig, sozial fair und ökonomisch tragbar sind. 80% der ökologischen Auswirkungen, die ein Produkt entlang seines Lebenszyklus verursacht, werden in der Entwicklungsphase festgelegt. Das Nachhaltige Design
greift diese ökologischen Herausforderungen gemeinsam mit den sozialen Problemen auf und leitet daraus Anforderungen aus allen Phasen des Produktlebenszyklus ab und löst diese im Designprozess in Zusammenarbeit mit den anderen involvierten Disziplinen.

2.1 Ziel
Das Nachhaltige Design stellt die Zukunftsfähigkeit der Ökosysteme und der menschlichen Gesellschaft sicher, in dem es die natürlichen planetaren Grenzen respektiert und die Natur nur so nutzt, dass sie sich selbst regenerieren kann. Es verzichtet auf eine Ökonomisierung der Gesellschaft und ihrer Werte und steht für eine volle Kostentransparenz, die alle genutzten ökologischen, sozialen und gesellschaftlichen Leistungen und alle verursachten Schäden vollständig einbezieht und deren Externalisierung verhindert. Die von den zu gestaltenden Objekten ausgehenden Risiken werden ermittelt und existentielle technische und gesellschaftliche Risiken werden vermieden. Die in den Gestaltungsprozess involvierten Akteure erkennen ihre Verantwortung an und leisten durch das nachhaltige Design ihren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft.

2.2 Umsetzung
Das Nachhaltige Design erfordert eine ganzheitliche, interdisziplinäre und systemorientierte Betrachtungs- und Herangehensweise, die die ökologischen, sozialen und ökonomischen Anforderungen und ihre Wechselwirkungen als essentiellen Teil der Gestaltung einbezieht. Die Umsetzung der Nachhaltigkeit im Design erfolgt durch die Anwendung der Nachhaltigkeitsstrategien Suffizienz, Konsistenz und Effizienz.

2.2.1 Suffizienz

Die Suffizienzstrategie hinterfragt die gesellschaftlichen und individuellen Bedürfnisse und die etablierte Form ihrer Befriedung kritisch. Dadurch rücken Konzepte, die für die Menschen sinnvoll und nützlich sind in den Fokus des Designs. Die Strategie fokussiert auf individuelle Verhaltensänderungen und die Schaffung der dazu erforderlichen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sowie die Entwicklung innovativer nachhaltiger Nutzungsmodelle und Dienstleistungen. Ziel ist es Bedürfnisse nachhaltiger zu befriedigen, Nutzen ohne die Verwendung physischer Güter bereitzustellen und die Nutzung der Güter zu optimieren. Dies beinhaltet als Option auch den vollständigen Verzicht auf bestimmte Produkte und Dienstleistungen. Die Umsetzung erfordert einen Wertewandel, der menschliches Wohlbefinden und Glück von Konsum und materiellen Gütern entkoppelt. Die erfolgreiche Gestaltung dieses Wandels erfordert eine interdisziplinäre
Herangehensweise, die alle relevanten Akteure einbezieht und die Potentiale aller Designdisziplinen nutzt.

2.2.2 Konsistenz – Öko-Effektivität

Die Konsistenzstrategie (Öko-Effektivität) weist den Weg die aus der Suffizienzstrategie abgeleiteten Produkte so zu gestalten, dass deren ökologischen Auswirkungen entlang ihres Lebenszyklus innerhalb der Kapazitäten der Ökosysteme bleiben und die sozialen und gesellschaftlichen Anforderungen erfüllen. Die wesentlichen Kriterien zur Umsetzung der Konsistenzstrategie sind
 - die Gestaltung zukunftsgerechter Güter (angemessene Produktlebenszeit)
 - die Kreislaufführung von Komponenten und auf stofflicher Ebene
 - die Reparierbarkeit von Gütern
 - die Reparierbarkeit von Gütern
 - die Integration von Mehrfachnutzung und Nachnutzung in Güter
 - die Auswahl nachhaltiger Materialien und der Verzicht auf Schadstoffe und Emissionen
 - ausreichend Zeit für alle Designaktivitäten (Entwicklung, Test, Herstellung, Distribution)


2.2.3 Effizienz

Die Effizienzstrategie minimiert für die öko-effektiv gestalteten Güter den Ressourcen und Energiebedarf entlang des gesamten Produktlebenszyklus. Die wesentlichen Kriterien zur Umsetzung der Effizienzstrategie sind
 - Ressourcenproduktivität
 - Energieeffizienz
 - Produkteffizienz
 - Emissionsminimierung

Die Anwendung der drei Strategien erfolgt aufeinander aufbauend. Die Suffizienzstrategie wird grundsätzlich als erste angewendet, um die Suffizienzpotenziale zu erschließen und auszuschöpfen. Die Konsistenzstrategie stellt im Anschluss die öko-effektive Gestaltung der Produkte sicher und die Effizienzstrategie minimiert den erforderlichen Bedarf an Ressourcen und Energie. Die Nachhaltigkeitsstrategien integrieren durch die Kombination unterschiedlichster Methoden die Nachhaltigkeit in den Designprozess. Die kreativen Phasen tragen durch ein offenes, unsystematisches und experimentierfreudiges Vorgehen maßgeblich zur Entstehung und Entwicklung nachhaltiger Innovationen und neuer alternativer Wertemodelle bei.

2.3 Ökonomische Kriterien
Das ökonomische Ziel ist die Begrenzung der insgesamt umgeschlagenen Gütermenge im Sinne einer wachstumsneutralen Wirtschaft (Steady-State Economy, Postwachstumsgesellschaft) bei einem kontinuierlich steigenden Marktanteil nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen und nicht die Maximierung von Absatz und Gewinn. Wesentliche Kriterien zur Erreichung dieses Ziels sind
 - der Verzicht auf Wirtschaftswachstum in den entwickelten Nationen
 - die Dezentralisierung und Regionalisierung der Wirtschaftsstruktur
 - die Verringerung der Arbeitsteilung und eine Zunahme der Produktionstiefe
 - die Stärkung der Stellung von Gemeingütern
 - die Rücknahme der Privatisierung originär staatlicher Leistungen
 - die Beschränkung der finanzwirtschaftlichen Aktivitäten auf Produkte und Transaktionen
   mit unmittelbarem Bezug zur Realwirtschaft
 - der Verzicht auf die Verzinsung von Kapital und auf Spekulationsgeschäfte
   (keine Geldvermehrung ohne eine Gegenleistung)

Bei der Gestaltung nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen muss deren Marktfähigkeit und Marktgängigkeit sichergestellt werden, um die Produkte, die nicht nachhaltig sind, vom Markt zu verdrängen. Gleichzeitig muss beachtet werden, dass das Gütervolumen nicht durch einen zusätzlichen Konsum zunimmt, da ansonsten die Ziele der nachhaltigen Entwicklung aufgrund von Rebound-Effekten nicht erreicht werden.